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Als Kind war es eine Last, wenn Mama oder Papa gesagt haben: So in einer halben Stunde gibt es Abendessen, vorher wird noch aufgeräumt. Utz Anhalt schreibt in einem Artikel, dass ausmisten nicht nur die Wohnung entrümpele, sondern auch die Psyche, denn meistens hätte es psychische Ursachen, wenn man Dinge nicht loslassen könne.

Wenn ich im Ausmist-Flow bin schmeiße ich nahezu alles weg, was mir in die Finger fällt und ich mindestens einen Monat nicht benutzt habe.

Stapeln sich zum Beispiel im Keller Dinge von einem alten Freund, mit dem man schon Jahre keinen Kontakt mehr hat, dann heißt das meistens, dass diese Beziehung innerlich nicht geklärt ist und man sich von dieser objektiv vergangenen Lebenszeit noch nicht lösen konnte.

Gefühlt ist das von jetzt auf gleich passiert, in Wahrheit hat mich das aber wesentlich länger mitgenommen. Weil ich mir dabei einmal einen Pullover von ihr geliehen hatte, lag dieser noch bei meinen Reitklamotten.

Jedes Mal, wenn ich nach Ende unserer Freundschaft zum Pferd gefahren bin, habe ich diesen Pulli dort liegen sehen. Allerdings habe ich trotzdem noch nicht mit dieser Lebenszeit abgeschlossen, dafür war das einfach ein viel zu großer Teil meines Lebens. Denn Wegwerfen ist nicht besonders nachhaltig und passt eigentlich so gar nicht zu meiner sonstigen Lebenseinstellung.

Entscheide ich mich aber gegen das Wegwerfen liegen die aussortierten Dinge noch Wochen oder monatelang in einem Wäschekorb in der Ecke herum. So erhalte ich erst viel später, wenn die Dinge dann endlich weg sind, das gute Gefühl. Wenn ich also ausmiste, mache ich das nur für das gute Gefühl deswegen schmeiße ich die Sachen dann einfach weg, obwohl andere wahrscheinlich noch etwas damit hätten anfangen können.

Manche Menschen schmeißen Dinge nicht weg, weil sie Angst haben es später zu bereuen. Wenn ich Dinge nämlich nicht wegwerfen möchte, dann bringe ich sie in das Zimmer meiner Schwester und frage sie, ob sie noch etwas damit anfangen kann.

Wenn ich dann Wochen später bemerkte, dass ich die Sachen eigentlich doch noch gut gebrauchen kann, behaupte ich einfach ich hätte sie ihr nie geschenkt.

Das gute Gefühl des Wegwerfens ist bei mir wie eine Sucht, trotzdem könnte ich niemals minimalistisch leben.

Trotzdem denke ich im ersten Moment, wenn ich Fernsehbeiträge oder Artikel zum Thema Minimalismus konsumiere, immer: Geil, das will ich auch probieren. In solchen Momenten frage ich mich: Muss es denn überhaupt radikaler Minimalismus sein?

Reicht es nicht auch darauf zu achten, dass man vielleicht nicht die Plastiktüte beim Shoppen nimmt, sondern einen Rucksack dabeihat. Warum muss man denn gleich so radikal denken, um sich besser zu fühlen? Ich kaufe nie Wasserflaschen, sondern trinke Leitungswasser, ich verzichte weitestgehend auf Fleisch, fahre wenn möglich Fahrrad oder Bahn und versuche nicht im Internet zu bestellen.

Für mich reicht es auch einfach bewusster zu leben, Käufe zu überdenken und nicht unnötig Dinge zu sammeln.


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